Fak. 2 - Institut für Gesellschaftswissenschaften - Geographie

Das Aktualitätsprinzip im Geographieunterricht: Aktualität – ein geographisches Unterrichtsprinzip auf der Höhe der Zeit? Eine Untersuchung zum Einbezug gegenwartsbezogener Inhalte in den Geographieunterricht.
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:Aktualität als methodisches Prinzip bedeutet die Berücksichtigung gegenwartsnaher Geschehnisse und kann als typisches geographisches Unterrichtsprinzip betrachtet werden (Rinschede 2005, S. 178). Die Einbeziehung aktueller Ereignisse in den Geographieunterricht kann aus unterschiedlichen Perspektiven erörtert werden, finden sich doch allgemeingesellschaftliche, geographiedidaktische und auch fachwissenschaftliche Aspekte.

Gegenwartsbezogene Themen entsprechen dem Anspruch Kenntnisse und Kompetenzen zu vermitteln, die zum Verständnis und zur Entwicklung der gegenwärtigen und zukünftigen Welt grundlegend sind. Da Lebensentfaltung immer auch raumgebunden stattfindet, besteht eine direkte Schnittstelle zum Schulfach Geographie.

Aktualität ist aufgrund ihres geographiedidaktischen Potentials relevant: In der Literatur wird die motivierende Funktion aktueller Themen stark betont (Rinschede 2005, S. 179, Reinert 2005, S. 73).
Auch von der fachwissenschaftlichen Perspektive erhält das Prinzip einen hohen Stellenwert: alle relevanten Phänomene und Prozesse im System Mensch – Umwelt manifestieren sich stets im Raum und können von der Geographie mit ihrem multiperspektivischen und integrativen Ansatz mit aktuellen Beispielen erfasst werden (Gebhard u.a. 2007, S. 16 ff). Zudem wird „aus dem Forschungsfeld der Geographie […] der Gesellschaft ein Potential an Wissen bereitgestellt, mit dessen Hilfe Verflechtungen von Erscheinungen menschlichen Lebens mit deren räumlichen Bedingungen beschrieben und erklärt werden können. Daraus erwachsen Qualifikationen von weitreichender Bedeutung“ (Schreiber 1981, S. 34).

So lässt sich auf einen ersten Blick konstatieren, dass das unterrichtliche Prinzip „Aktualität“ unumgänglich zu sein scheint. Ein konsequenter Einbezug in den Geographieunterricht wäre der logische Beitrag für einen nachhaltigen Anteil des Faches zur Bildung.

Doch wie gestaltet sich die schulische Realität? Kann das Unterrichtsprinzip die mit ihm verbundenen Ziele und Möglichkeiten erreichen und wo liegen die Chancen und die Herausforderungen in der Umsetzung? In der geograpiedidaktischen Diskussion steht das Prinzip Aktualität, wie eine Analyse der derzeitigen fachdidaktischen Veröffentlichungen ergibt, momentan nicht im Fokus des Interesses. Um als „typisches“ (Rinschede 2005, S. 178)und „unabdingbares“ (Reinert 2005, S. 72) erdkundliches Unterrichtsprinzip gelten zu können, fehlt eine grundlegende Untersuchung zu diesem Thema.

Diese Lücke soll mit dem laufenden Projekt geschlossen werden. Entsprechend der Zwitterstellung der Geographie als Natur- und Gesellschaftswissenschaft rekurriert die Arbeit auf zwei Ansätze: zum einem soll auf deskriptive und hermeneutische Weise eine Annäherung an das Prinzip der Aktualität in Geographieunterricht geschehen. Zum anderen werden diese Erkenntnisse vervollständigt durch eine empirische Untersuchung, bei der sowohl Schüler und Schülerinnen hinsichtlich ihrer Erwartungen und Interessen, der Lerneffizienz und Motivation (unter Berücksichtigung eines Gender-Aspektes) befragt werden, sowie bei Lehrern und Lehrerinnen Aussagen zur Wirksamkeit von Lehr-Lern-Angeboten mit aktuellem Inhalte aus Sicht der Unterrichtenden erhoben werden. Die Zusammenschau dieser beiden Arbeitsschritte ermöglicht es, in einem abschließenden Schritt evidenzbasierte Konsequenzen und Schlussfolgerungen für nachhaltige Optimierungsmaßnahmen beim Einsatz aktueller Inhalte im Geographieunterricht zu formulieren. Damit können auf organisatorischer, handelnder und individueller Ebene wertvolle Impulse sowohl für die Lehrerausbildung sowie für eine praxisbezogene, zukunftsorientierte Geographiedidaktik erwartet werden.
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:01.10.2010 bis 30.09.2013
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